irma erzählt, sie habe bewundernd vor dem großen altarbild gestanden, bis jemand gekommen sei und sie sehr bestimmt darauf hingewiesen habe, sie habe hinter die absperrung (und noch weiter) zurückzutreten. das sei ihr wie eine kreuzigung erschienen, sagt irma. das habe für sie eine verbindung hergestellt, sagt irma, eine form negativer anziehung. dass dieses und jenes sich verbindet, weil es eine scharte auszuwetzen gelte, das habe sie gespürt und auch versucht offenzulegen (derweil wir zurück waren aus wetzlar, gerade an diesem wochenende, mit einem bein noch im urlaub usw). begreifst du, es waren damals andere tage. dass ich nicht einfach aufgehen konnte, so wie alles war (wie ein senfkorn vllt aufgeht) oder das leise spiel vergessen, das wir miteinander spielten. wir spielten auf einer großen wiese, ich weiss es noch genau, nicht fern von uns war die straße, und aus großer höhe mochte es erschienen sein, wir seien selbst nur löwenzahnartige. so fuhren wir an einem anderen tag auch ganz unbedarft auf das halb nur sichtbare loch zu (wir hatten ja noch zähne damals, sagt irma). und liesbeth sagt, bei ihr daheim würden sie manches in einen kleinen raum einschließen, der von außen licht und besonders erschien, doch in wirklichkeit im innern auch nur schwarz und dunkel sei und nichts habe sich wiederherstellen lassen, sagt liesbeth, was einmal darin abgelegt worden sei, also in diesem kleinen, hellen raum. als hätte jemand die dinge in der dunkelheit entnommen und durch ein ähnliches, aber durchaus nicht verwechselbares äquivalent ersetzt, das sich ganz anders angefühlt oder ausgedrückt habe (innerlich). das sei ihr ganz klar gewesen, sagt liesbeth, als wir auf das halb nur sichtbare loch zufuhren. das sei der grund, weshalb sie nicht einfach habe gehen können, damals, an jenem tag, von dem sie stets aufs neue berichten wolle. wir legten also die spielzeugautos auf die seite und hielten es für eine absperrung der zeit. eine absperrung auf zeit waren unsere tage in frankfurt gewesen, als wir eine wohnung teilten, die dunkel war im sommer und hell im keller. (dass ich dich spiegelte in mancher nacht war wie ein einsammeln von licht für diese noch kürzeren tage.) hier legen wir alles ab, sagt liesbeth. doch es hatte nicht aufgehen können, so wie alles war. es waren damals andere tage. wir sprangen von der schaukel, doch ohne die hände von den seilen zu lösen, und vom schwung umkreiste uns das, was eben noch unsere bettstatt gewesen war, das witterungstrunkene brett, auf dem wir eben noch standen. und ich erinnere mich, dass es sich wie ein flugzeug im tiefflug nun vor uns gesetzt hatte und mit breiten flügeln und der geschwindigkeit der massenträgheit uns ins gesicht schoß. das haus lag inmitten einer großen wiese, so wie alles damals. und irma sagt, das habe nicht gutgehen können. es sei nicht nur einmal so gegangen. sie habe es nicht erzählt, wie wir uns wieder und wieder auf genau die selbe weise in
gefahr gebracht hätten. doch ob wir am ende nicht mehr zu sagen vermochten, sagt liesbeth an einem freitag, wem nun das brett zuerst gegen die schneidezähne geschlagen habe (es hat nach blut geschmeckt und nach fauliger borke), das sei nicht mehr zu klären gewesen. und irma sagt,
nach wochen, in denen sie nichts mehr zu mir gesagt hat, sie habe den mond zum ersten mal seit monaten, in denen es nur geregnet oder der mond nur abgenommen habe, wiedergesehen. genau auf den mund sei er ihr zugeflogen, und als es endlich aufgehört habe zu regnen, nach blut und nach borke zu schmecken, da sei er schon wieder verschwunden gewesen und die dunkelheit habe zugeschlagen, mit der selben wucht, wie zuvor der mond, sagt irma. dass ich dir keine andere wahl gelassen hätte, sagt sie, ganz gelassen, das wäre ihr ganz klar gewesen. wir fahren ja ganz unbedarft auf das halb nur sichtbare loch zu. und ich weiß noch, ich habe ein großes altarbild besessen, das ich bei ihr vor dem spiegel vergaß, dass ich in dieser nacht noch ein kind war, ganz weiss hinter den ohren. das mag ihr so scheinen. von weit oben betrachtet, mögen wir wie löwenzahnblüten erscheinen, wie wir uns hier unten streiten.
Donnerstag, 24. Juli 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen