Sonntag, 20. Juli 2008
gewölbtes glas ist dir dein sommerhaus, so viele fenster hast du und schnee. ausschau hälst du nach allen seiten. das geflissentliche gold oder karneolhaltiges licht (fern) über der ruh des horizonts die feine linie zwischen deiner hand und dem, was dahinter du ahnst. halbabweisendes gold / wipfelruherin : ins föhrendickicht geweißt (geflohen sagst du) / denn urgroßvaters haus liegt da irgendwo. der weg ist beschwerlich, einer bloßkrumigen spur nur folgst du. perforiert wie die stimme, die dich lobt und wieder schlägt. kein licht fällt in den korb mehr. so lockt sie die glühende durch das glühende ende (vor ihrem mund) usw tiefer und tiefer in den wald. so wirst du denn leise dargereicht. 1 abgrenzstreifen 1 raumteiler 1 ganzer wald zwischen dir und der welt. fortwährend vorbei . . hätt'st du dein haus nicht, das gewölbte glas, einer träne auf dem handrückenwald ebenbild, du würdest selbst eine föhre, die holzstäbe deiner finger aufeinanderschlagend. deinem brotkrumenbaum einbegeistert. deinen herzspuren gefolgt. die alleinheit deines daseins mir leise sich darstellend (mondstrahlenkuchen) in diesem bild will ich dir beitreten. deine arme schützend also drohend sendest du mir signal. es ist zeit. in entfernungen geweist bist du fern. die lohe oder der seltsame transport durch glühwürmchen irrlichtet von dir zu mir. im föhrendickicht dies gedankenkarussell im kreiswahn überhin haltbares tal. tritt ein in dein haus. fort ist die hand, die dich hält, die schneekugel fällt dein haus auf den weichen boden, so viele fenster hast du, den nadelteppichwald. einheit / und in entfernungen gesprochen / fernhin der berg.
Samstag, 19. Juli 2008
ich ziehe mit dir über die felder dein mond dein atemloses tamburin / es ist frey nur ein spiel und ich lese darin von deinem staub von deinem abkehrgesicht / das mir in die knochen fährt ich sage die knochenumwölbte wurzel meines körpers ziehst du in die höhe / schwarzer ist auch dein haar nicht langgezogener als das was du zurückläßt / mit der schlangenhand deinem tagbedeckten areal der pferde (sie sagt, am abend lasse sie ihre beine vom mond herabbaumeln) / also zähle ich / ich zähle an den fingern das magische quadrat dein geist / damokles rote schuhe tanzen über meinem kopf / und tanzend step step tap fragen sie warum ist das zurückspringen in den himmel so schwer (der mond aber das bist doch du)
Freitag, 18. Juli 2008
mutter hatte viele hasen. ich sah sie oft fahnen schwenken mit ihren schwarzen händen, des nachts wenn sie ihr leben / bemitleideten. zwei türme (tours) die sich von ferne gelegentlich wie wolkenmuster zeichen tauschten. ein anderes winkelmaß mit dem blick eines maurers oder verliebten erfunden. (mutter sagt, WIR hätten einen hasen im garten, er säße jeden morgen mit hoch erhobenen ohren, ornamenten, da und sie hätte hände, nicht gewaschene hände, bevor sie ihn gestreichelt habe usw.) der fuchsbandwurm an den brombeersträuchern hinter dem bahnhof, wo das licht auf das boot fällt, obwohl meilenweit kein wasser strand usw. aber nachts kommen sie, hängen sich an die reeling, stürzen sich in den rasen, die fahnenwinkel, ich kann mich gar nicht sattsehen, ein schauspiel, sagt mutter. sie bricht die walnussfrucht entzwei und ihre hände werden leise und ganz schwarz, wie die hände einer sehr alten frau. juglon, vielleicht. ich hocke frierend vor dem feuer deines auges.
Donnerstag, 17. Juli 2008
ich bestehe aus ton aus dem haus der großen schnecke, und denke wort für wort für wort fürwahr. auf einen anruf warten, sagt elisa, sie legt den stift weg, dann den hörer. ja, große worte sind heute nicht zu erwarten. ein ganzer anteil, ein ganzer acker, sagt sie, läge noch vor ihr, an leben. ich wende derweil das auto auf der hofeinfahrt, mein schatten mein wunderbarer schatten (mein treuster freund, sagt f. – und ich will ihm glauben). die wassertröpfchen auf der scheibe legen einen halbdurchsichtigen schleier über die welt. auf den aufgeworfenen furchen feiner schnee also sand (aus der wüste : saharaschnupfen). das wort juvenil am frühen morgen, als ich dreifach verfolgt aus dem schlaf aufwache und mein herz rast. mit dem haus der größten schnecke, meinem gedankenhaus, sagt elisa, so langsam und so verwunden wie mein herz, das denkbar schnell rast. es ist schon ganz alt. ich will ihr die ganze zeit nur zuhören, denke ich, wie sie am wiesenrand sitzt und von der ferne spricht. fort, sagt sie da, und : fort. und ich fühle, als käme ich kaum noch voran, statt rattenschwanz, irgendetwas das mich plötzlich hält. wassertröpfchen auf ihrer brille, zwei ratten, sagt marcel auf saras geburtstag, zwei freunde seien ihm binnen tagen verstorben, ein pärchen, sagt er, ratz & fatz. seelenverwandt karma philoten yingyang herz verbunden und überhaupt, er wolle niemals wieder freunde haben, weil sie plötzlich ganz alt würden, manchmal über nacht, dann stürben sie und das herz glühe aus, und das herz fühle verlust, wo vorher kein verlust gewesen (und dann folgt die zweite reihe und die gedanken werden ja ganz grau darüber, sagt elisa). ja, ich warte auf einen anruf, mein lieber freund, sagt f., er habe seit wochen sich nicht gemeldet, also seit wochen keine rückmeldung von ihm auf seine letzte nachricht (per email), das wäre so gewesen wie fische, die ja doch säugetiere waren, ins meer zurückzubringen, feucht zu halten während das wasser zurückgeht, bis es zurückkomme, immer wieder wasser über die glatte haut am morgen, am abend, diese schwelende sommerwunde mitten auf der schönsten stelle des strandes. und dann, am wiesenrand, plötzlich seine nummer im display. es legt einen durchsichtigen schleier über die welt, sagt elisa. sie verbirgt sich ja doch vor mir, auch wenn sie käme, weil ich ihr dreifach versiegte, also versagte, weil ich dreimal in ihren augen versagte, dass sie aufwachte aus ihrem schlaf, dreifach verfolgt, am morgen, und fand das haus scheinbar verlassen vor. dabei hob ich die schweren steine aus dem acker / der ackerkrume, derweil, und war so angestrengt, dass mir die seifenblasen über dem kopf platzten, zack & zack, die brille war in der mitte zerbrochen. und ich frage mich, wie sie zwischen salat und den möhren sich so rasch vermehrten. die hitze hängt über dem wasserturm, da ist ein architekturbüro in der spitze, und ich trockne mir mit dem ärmel die stirn. es ist so warm hier in der wüste. ich werfe fast keinen schatten. ich dusche morgens, ich dusche abends. es kommt ein ton aus dem haus der götter.
Mittwoch, 16. Juli 2008
auf der heimfahrt geschah es : die nachtmitte, da die welt sich noch einmal teilt oder entscheidet, den überschlag zu wagen. sonntags das treffen nahezu aller menschen unter dem großen vorhang, diese vorbereitungen, konzentration, überall spürbar, auf kommende tage. viel spaß am gelingen, oder : wie spaß denn gelingen könne, fragt britta. sie gesteht unter tränen, dass sie noch immer sich bemühe, wie der marmorlöwe, sagt sie, neben den schellackstufen, unter dem portal, nahe den tram-schienen, doch er komme nicht vom platz, komme einfach nicht von seinem sockel. derweil ich mich zusammengerollt habe, zum herzspagat. nachts ist es eine schwarze blüte unter der nacht, all die baumartigen blütenblätter, ringsum. ihr name rauscht an mir vorbei. dann ein zweiter name. vielleicht hast du den großen himmel berührt vielleicht / hast du ihn nur gefunden. wie jeden sommer fürchte ich jeden morgen meine haare zu verlieren, in großen mengen brechen sie ab, die spitzen, bis das porzellan, das waschbecken, durchschimmert. dass mein leben an seiner spitze irgendwie abbricht und sie mir in der metro begegnet oder wie die unterwelt hier heißt, als hätte sie augen für anderes, das buch, das sie liest, ganz zerlesen. bassgewitter, dein tanzstil, dein umblättern, meine sich angleichenden bewegungen zu deinem temperament (temperaturäquivalent), wenn du mich anschaust, angewitterst, stumm also wetterleuchten vor den fenstern. warum sind deine lippen so grellrot geschminkt. zwischen uns viele nachtschattengewächse.
Abonnieren
Posts (Atom)