Freitag, 25. Juli 2008

ich navigiere nach sternen, den stalaktiten der zeit. die große insel (die bärtige) als ziel / lichtlos treibt sie im blitzenden meer, so heißt es. große geschwülstige bäume, lebendig bis tief in den grund, weise einer anderen zeit, umstehen sie an der fassung aus diamantenem sand, sanft glitzernd, wasser atmend, bleibt die nacht. ein zauber, wahrer als alles flüstern liebender am grund ihres herzens, größer als tau. mein schiff, tabulos und nautisch, treibt es auf den stampfenden rädern der wellen, südpolares glas, gestirne mit unwiderstehlicher kraft, still und ohne worte breitet es schicht für schicht unmerklich sich aus, bahnen von durchsichtigem stoff, die erst in der tiefe wieder fest werden wie eis und undurchdringbar, dunkel wie stahl. ein kleines licht, mehr bleibt nicht mein gesicht zu erhellen.

noch könnte ich anlanden, noch - die zeit, die verzögert ich bleibe, wie wund wie schmerzhaft werden die jahre mir fehlen - noch könnte ich meinen tastenden fuß ausruhen lassen auf dir, wie nach einem massereichen stundenlangen flug die arme um dich legen, als würde dein strand nacht und erschöpfung atmen, noch erholung duften, während das wasser steigt und vier- oder sechsblättrige weißgelbe blüten durchs wasser um mich her treiben, und das wasser steigt und du in deinem zentrum schwarz bist und bleibst und undurchdringbar. ich kann dich umkreisen, noch - wie hell und strahlend und verheißend und kalt von ferne du bist - doch der kreis wird niemals ganz sich schließen. matt das eben polierte silber, ein schimmer, bläulich bis braun, silbersulfid im chamoisleder, dann liege ich auf kreide.

weil ich ein mensch bin und das reisen liebe. in meinem haar greift sie mich, an meinen rädern greift sie mich, in die federn meiner augen greift sie und treibt mich hinauf zu einem ausblick, der in seiner schönheit mich unbekannt berührt.

ich navigiere nach sternen, nach dem gepränge der zeit, und vor mir liegt die insel, schon bleibt sie hinter mir zurück wie ein gebet, ausgehaucht in den luftleeren raum, in dem niemand mehr wohnt.

mehr noch als die angst, macht der glauben mich geistlos (zitat).

Donnerstag, 24. Juli 2008

irma erzählt, sie habe bewundernd vor dem großen altarbild gestanden, bis jemand gekommen sei und sie sehr bestimmt darauf hingewiesen habe, sie habe hinter die absperrung (und noch weiter) zurückzutreten. das sei ihr wie eine kreuzigung erschienen, sagt irma. das habe für sie eine verbindung hergestellt, sagt irma, eine form negativer anziehung. dass dieses und jenes sich verbindet, weil es eine scharte auszuwetzen gelte, das habe sie gespürt und auch versucht offenzulegen (derweil wir zurück waren aus wetzlar, gerade an diesem wochenende, mit einem bein noch im urlaub usw). begreifst du, es waren damals andere tage. dass ich nicht einfach aufgehen konnte, so wie alles war (wie ein senfkorn vllt aufgeht) oder das leise spiel vergessen, das wir miteinander spielten. wir spielten auf einer großen wiese, ich weiss es noch genau, nicht fern von uns war die straße, und aus großer höhe mochte es erschienen sein, wir seien selbst nur löwenzahnartige. so fuhren wir an einem anderen tag auch ganz unbedarft auf das halb nur sichtbare loch zu (wir hatten ja noch zähne damals, sagt irma). und liesbeth sagt, bei ihr daheim würden sie manches in einen kleinen raum einschließen, der von außen licht und besonders erschien, doch in wirklichkeit im innern auch nur schwarz und dunkel sei und nichts habe sich wiederherstellen lassen, sagt liesbeth, was einmal darin abgelegt worden sei, also in diesem kleinen, hellen raum. als hätte jemand die dinge in der dunkelheit entnommen und durch ein ähnliches, aber durchaus nicht verwechselbares äquivalent ersetzt, das sich ganz anders angefühlt oder ausgedrückt habe (innerlich). das sei ihr ganz klar gewesen, sagt liesbeth, als wir auf das halb nur sichtbare loch zufuhren. das sei der grund, weshalb sie nicht einfach habe gehen können, damals, an jenem tag, von dem sie stets aufs neue berichten wolle. wir legten also die spielzeugautos auf die seite und hielten es für eine absperrung der zeit. eine absperrung auf zeit waren unsere tage in frankfurt gewesen, als wir eine wohnung teilten, die dunkel war im sommer und hell im keller. (dass ich dich spiegelte in mancher nacht war wie ein einsammeln von licht für diese noch kürzeren tage.) hier legen wir alles ab, sagt liesbeth. doch es hatte nicht aufgehen können, so wie alles war. es waren damals andere tage. wir sprangen von der schaukel, doch ohne die hände von den seilen zu lösen, und vom schwung umkreiste uns das, was eben noch unsere bettstatt gewesen war, das witterungstrunkene brett, auf dem wir eben noch standen. und ich erinnere mich, dass es sich wie ein flugzeug im tiefflug nun vor uns gesetzt hatte und mit breiten flügeln und der geschwindigkeit der massenträgheit uns ins gesicht schoß. das haus lag inmitten einer großen wiese, so wie alles damals. und irma sagt, das habe nicht gutgehen können. es sei nicht nur einmal so gegangen. sie habe es nicht erzählt, wie wir uns wieder und wieder auf genau die selbe weise in
gefahr gebracht hätten. doch ob wir am ende nicht mehr zu sagen vermochten, sagt liesbeth an einem freitag, wem nun das brett zuerst gegen die schneidezähne geschlagen habe (es hat nach blut geschmeckt und nach fauliger borke), das sei nicht mehr zu klären gewesen. und irma sagt,
nach wochen, in denen sie nichts mehr zu mir gesagt hat, sie habe den mond zum ersten mal seit monaten, in denen es nur geregnet oder der mond nur abgenommen habe, wiedergesehen. genau auf den mund sei er ihr zugeflogen, und als es endlich aufgehört habe zu regnen, nach blut und nach borke zu schmecken, da sei er schon wieder verschwunden gewesen und die dunkelheit habe zugeschlagen, mit der selben wucht, wie zuvor der mond, sagt irma. dass ich dir keine andere wahl gelassen hätte, sagt sie, ganz gelassen, das wäre ihr ganz klar gewesen. wir fahren ja ganz unbedarft auf das halb nur sichtbare loch zu. und ich weiß noch, ich habe ein großes altarbild besessen, das ich bei ihr vor dem spiegel vergaß, dass ich in dieser nacht noch ein kind war, ganz weiss hinter den ohren. das mag ihr so scheinen. von weit oben betrachtet, mögen wir wie löwenzahnblüten erscheinen, wie wir uns hier unten streiten.

Mittwoch, 23. Juli 2008

sie hatten einen vulkan. wie ein haustier lebte er in ihrem garten. manchmal wenn sie abends ihre augen aneinanderreihten wenn sie die brennweiten ihrer blicke miteinander verknüpften (kombinierten) konnten sie ihn in der ferne erblicken konnten sie ihn schmauchen sehen mit einem ihnen fremdartig scheinenden genuß (pfeifenstil) jenen sich am himmel bildenden ekstatischen parallelgebirgen von wolken und rauch entnahmen sie sich. er mochte dieses spiel. und er spielte es in der dunkelheit wie im licht. und während sie ihren rücken noch an die aus entlegenen also exotischen gebieten südamerikas stammende açaí lehnen (der eßbare muse stamm) nehmen über ihnen der felshaken aus schnee und jener felshaken aus hitze bereits wieder blickkontakt auf. ihre kaskaden kringel usw
aus den astlöchern brechen die mahre hervor wie die knospen einer unverdächtigen zeitverschiebung. man könnte sagen eines neuen zeitalter des schlafes. mit weiten armen trennen sie dem schlafenden die haut von der seele lösen sie die augen wie einen bann. dann tönen sie mit einem fernrohr an den lippen den kelpie herbei. er soll das haar des schlafenden zu knoten flechten dicht wie flachs. es duftet nach myrrhe an den wurzelenden des gesichtslosen traumes dem ein schlaf entspringt. der körper beginnt mit dem rücken

Dienstag, 22. Juli 2008

tag zwei. als wir hamburg erreichen zeigst du mir vom zug aus ein uboot im hafen. die deichtorhallen knien im regen. es macht einiges aus, dass wir uns die hälse mit grauer farbe bestrichen haben. so gleichen wir die strömungen aus, du die taube und ich das andere. ein kleines boot mit ineinander gefaltetem bug aus händen. im bahnhof selbst begegnet uns ein pulk von als nonnen und priester verkleideter nonnen und priester, eine seltsame jugendkultur aus einer anderen zeit. zwei ausgänge und jeder von ihnen so gut wie der andere. draußen in der stadt ein schleiertanz, trinken wir mit unseren augen die alster, angelehnt an eine skulptur wie zwei schiefe ebenen. mit nassen gesichtern besiegeln wir einander die monate, die wir uns schon kennen. drei männer im boot von edwin scharff, fernsehturm in der ferne. ich meine, wie wir uns kümmern, zumeist um uns wie vermögende zu fühlen, das ist nicht verwunderlich hier am schwanenwik. die weissen dreieckssegel überall, das sieht man gern, wo doch der tag für uns hier enden sollte.

Montag, 21. Juli 2008

als ich meine gedanken aufnahm, war es bereits spät geworden, und wir lagen, ich ohne dich, müde am ufer eines sees, dass mir alles in meiner müdigkeit durcheinander geriet. die eltern waren fort, sie hatten eine große weiße fläche zurückgelassen, und als hätte sich mit dir die notwendigkeit einer berührung eingebrannt in meine augen, konnte ich dich ganz deutlich über oder unter mir erkennen. unter dem fenster rauschte, unsichtbar für uns hinter ein paar bäumen, der fluß durch ein wehr und das zimmer war eng und vollgestellt mit dünnen wänden. und dass sich euch ebenfalls eine berührung eingestellt hatte, ein streifen passphotos aus einem automaten, darauf ihr euch unkenntlich nähert wie zwei astronauten als scherenschnitte oder tonfolgen einer harmonie. dass ich mich also in meinen gedanken dir nachspürte, als sich mir dieses fremde empfinden nachvollzog, das mich damals bewogen haben mochte, dir nicht abzuweichen in meinen gedanken, mir keine blöße zu geben, dass es mir ganz notgedrungen so scheinen mußte, wir wären an diesem fluss gelegen und jenseits der dünnen wände habe man stimmen gehört, wir und der fluss und die nacht wiegte uns in einen rauschhaften schlaf. und unter dem bett stand die musikanlage und die cds, nach stimmungen geordnet; dead can dance lag aufgeklappt da. tod sein, dachte ich, fast schon schlafend, das wäre urlaub.

Sonntag, 20. Juli 2008

gewölbtes glas ist dir dein sommerhaus, so viele fenster hast du und schnee. ausschau hälst du nach allen seiten. das geflissentliche gold oder karneolhaltiges licht (fern) über der ruh des horizonts die feine linie zwischen deiner hand und dem, was dahinter du ahnst. halbabweisendes gold / wipfelruherin : ins föhrendickicht geweißt (geflohen sagst du) / denn urgroßvaters haus liegt da irgendwo. der weg ist beschwerlich, einer bloßkrumigen spur nur folgst du. perforiert wie die stimme, die dich lobt und wieder schlägt. kein licht fällt in den korb mehr. so lockt sie die glühende durch das glühende ende (vor ihrem mund) usw tiefer und tiefer in den wald. so wirst du denn leise dargereicht. 1 abgrenzstreifen 1 raumteiler 1 ganzer wald zwischen dir und der welt. fortwährend vorbei . . hätt'st du dein haus nicht, das gewölbte glas, einer träne auf dem handrückenwald ebenbild, du würdest selbst eine föhre, die holzstäbe deiner finger aufeinanderschlagend. deinem brotkrumenbaum einbegeistert. deinen herzspuren gefolgt. die alleinheit deines daseins mir leise sich darstellend (mondstrahlenkuchen) in diesem bild will ich dir beitreten. deine arme schützend also drohend sendest du mir signal. es ist zeit. in entfernungen geweist bist du fern. die lohe oder der seltsame transport durch glühwürmchen irrlichtet von dir zu mir. im föhrendickicht dies gedankenkarussell im kreiswahn überhin haltbares tal. tritt ein in dein haus. fort ist die hand, die dich hält, die schneekugel fällt dein haus auf den weichen boden, so viele fenster hast du, den nadelteppichwald. einheit / und in entfernungen gesprochen / fernhin der berg.