Dienstag, 15. Juli 2008

paloma. die eine stadt, die sie die schöne nannten. achtzehn stunden im auto, nahezu ununterbrochen, ein flug (wir sind dahin, sagst du) aber schließlich : vor jedem fenster schmiegte sich uns meer um die hände. das haus profitabel, könnte man sagen : grob, gelb und perforiert, büttenpapier. ich ziehe linien unter die dächer, wie segel nur fremdartig gespiegelt (fischleib). doch statt zu schreiben hängen kleine helle kleider (fledermäuse) an ihnen im wind. wie lichter. mit einer seltsamen genauigkeit gehe ich über die wege. überall von meinem zimmer aus überblicke ich den golf von tarent, die großartige weite, die mir deine bekanntschaft ermöglicht. philemon und baukis, sie winken vom kleinen hafen herauf zu mir, weiß wie zwei hungrige ziegen. die ganze fahrt für das erreichen eines ortes, an dem wir gemeinsam glauben, ruhen zu können. ich male dir was ich sehe und was ich nicht sehe, schweige nein folge dir durch das haus. jeder kann sich mit seinem los zufrieden geben. die rosenbüsche singen am fenster.

Dienstag, 1. Juli 2008

sehr geehrte frau mayröcker, mein unterbewußtsein stachelt mich dazu an, ihnen nicht zu schreiben. möglich dass ich mir dieses unterlassen nie verzeihen könnte. kreative verfehlung. aber ich bin in einer seltsamen liebe zu ihnen gefangen, die mir keine ruhe gibt. ich schreibe ihnen also, als ob sie schon tot wären. vieles erscheint erst notwendig, wenn es schon zu spät ist. ich lese nämlich viel von ihnen, müssen sie wissen, auch seit es mir ernst ist (zu schreiben, also was wir tun, es sollte uns ernst sein usw).
so habe ich irgendwann auch den hass auf sie verlernt, dass sie mir bereits vor jahren meine sprache raubten und für sich vervollkommneten, dass ich gar nichts mehr zu sagen hatte. erst nach und nach schienen sich mir wieder wege zu öffnen, dass ich heimlich einen schritt zurück gehen und versuchen konnte, etwas zu erzählen, von dem ich mir nicht sicher war, wohin es mich führen würde. doch am ende spielt es keine rolle. auch dass ich nicht weitergehen werden, als sie es konnte, ich werde gehen, so gut es geht und mich hin und wieder umsehen. ich habe sie in einem interview gesehen, in einem film, ich habe sie gehört, ich habe nie verstanden, wovon sie eigentlich reden. ich werde auch das leben nie verstehen. aber dass es schön ist, satz für satz, das weiß ich und das ist alles, was ich in meinen texten suche, dass es mir irgendwie gelingt, lebendig zu sein, nicht vorgefaßt, nicht eingeengt, sondern frei, dass ich mich hin und her wenden und allem einen sinn geben kann. sie haben mir den weg dahin gewiesen und dafür danke ich ihnen. hochachtungsvoll, ihre

Montag, 30. Juni 2008

haus der schlafenden vernunft

1. // für uns ist und bleibt / der tod / ein negatives - / das aufhören des lebens / allein / er muss auch eine positive seite haben / die jedoch nur verdeckt bleibt / weil / unser intellekt durchaus unfähig ist / sie zu fassen / daher / erkennen wir wohl / was wir durch den tod / verlieren / nicht aber was wir durch ihn / gewinnen. //

2. // das leibhaft leidende / individuum / das nach ursprung und überwindung des leidens fragt / erhält seine antwort / in der zuwendung zu sich selbst als / dem subjekt seines leidens / das zugleich / das erkennende und darin auch / das der abstrakten reflexion mächtige / subjekt ist. //

3. // es gilt, neugeborene / vom schreien zu entwöhnen / dies gelingt / indem man / den zögling durch schläge lehrt / die schreie mit schmerz zu assoziieren / und diese in folge zu unterlassen / diese unsitte des schreiens / selbiges gilt / für das gefühl der liebe / lieben mit schmerz assoziieren / zu lernen, ist das leichteste mittel / das lieben darauf folgend / zu unterlassen / unsitte des liebens //

4. // tanz / eines der / ursprünglichsten / naturtriebhaften / ausdrucksmittel des menschen / seelisch-geistige vorgänge durch bewegungen des körpers / durch gestik und mimik / zu ver-sinn-bild-lichen //

5. // dass der sinn / den wir erhalten / von den fragen / abhängt / die wir stellen / bedeutet auch / dass die welt / und das leben / in der welt / weder einen sinn / noch keinen sinn / hat / sondern / dass der sinn / davon / abhängt / was wir / aus der realität / entfalten //

6. // der mensch handelt dann sittlich / moralisch / ethisch gut / wenn er sich / unter dem anspruch der sittlichkeit / die ziele seines handelns / selbst gibt / und das gute / die authenzität der eigenen persönlichkeit / zu verwirklichen / sucht //

7. // das ins werk setzen der wahrheit / werksein heisst / eine welt aufstellen / schönheit / jene weise / wahrheit als unverborgenheit im sein zu sehen / wahrheit / ist immer / auch ihr gegenteil //

Mittwoch, 21. Mai 2008

gegendarstellung/statement

der verstand entmenschlicht und auch die kunst siehe künstlich ist nur eine weitere entmenschlichung der natur. es ist zeit die ziele klar zu definieren und die voraussetzungen auszuloten. es bleibt schlicht müßig zu versuchen mit dem verstand zu erfassen was die natur was der instinkt uns diktiert. und zwecklos das vegetative durch mehr oder weniger artikulierte kehllaute schrift sprache kunst deutlich machen zu wollen. noch ist keine sprache gefunden. es bleibt ein herumstochern im nebel. die zeit des individualismus ist längst nicht angebrochen. wir leben in einer götterdämmerung in der wir das selbstbestimmsein ahnen können ohne eine vorstellung davon zu haben. die gemeinschaft der menschen ist zu groß so dass mehr als eine koexistenz kaum noch möglich ist. die individualität ist ein luxus den wir uns nicht leisten können. statt dessen wird gefressen gesoffen gefickt und betäubt. wir sind nur ein schatten der möglichkeiten.

Sonntag, 11. Mai 2008

das sein ist sinnlos. die welt, die wir als unsrige kennen, weil sie uns lebensraum bietet, kreist auf einer wahnwitzigen bahn, verloren in einem universum des bloßen zustands. der verstand hingegen, der sich den individuen der spezies mensch über jahrtausende hinweg über die sprache bemächtigt hat, konstruiert beständig sinn. seine evolution selbst fordert das erkennen von kausalzusammenhängen, der syntax, übertragen auf die dinge der welt zeigt sich in ihm der wille zur macht. was im einzelnen akt gelingt, im erzeugen von feuer wie von fortpflanzung, kann für den einzelnen im großen, jene menschenfragen weit übersteigenden, nur scheitern. seine hinwendung zu einer göttlichen instanz ist so natürlich wie hilflos. die entmenschlichung des menschen durch den verstand führt zu entmenschlichtem handeln. doch den sinn, den der verstand sucht, durch wahnsinnn zu stillen, kann nicht hingenommen werden. weder zügellos noch gläubig, was wir brauchen ist eine neue generation kunst.
wieso kunst? kunst ist die humanität des menschen. und wir müssen einer ziellosen jugend das menschliche nahe bringen. kunst verdeutlicht den zusammenhang zwischen sprache, verstand und dem dasein des menschen. in der beschäftigung mit kunst erhält der mensch die antwort, nach der er sucht, nicht in der kalten antwort des fortschritts, den die wissenschaft liebt, noch in der rückwärts gewandten antwort, die von dem geistigen stillstand des glaubens ausgeht. die antwort, welche die kunst bietet, ist die selbe antwort, die von der wissenschaft kommt, die von der religion kommt, ebenso stillend, ebenso genügsam, doch im gegensatz zum glauben erzeugt kunst einen mehrwert, erzeugt kunst etwas vorher nicht dagewesenes und bringt die welt und die blicke der menschen voran. im gegensatz zur wissenschaft spricht die antwort persönlich mit dem individuum, nicht mit der gemeinschaft aller, den fortschritt als krückstock mißbrauchender menschen. solche, die nicht zur kunst erzogen werden, die nicht zur wissenschaft taugen, müssen zwangsläufig, wenn sie ihr leben nicht selbst zerstören wollen, dem irrsinn der drogen oder dem wahnsinn des glaubens verfallen. in einer gesellschaft, die keine perspektiven für individuen bietet, einer gesellschaft, die den menschen selbst nur als kapitalistisches gut betrachtet, entmenschlicht die gesellschaft ihn mehr als der verstand sich durch das denken selbst entmenschlicht. ihm seine würde in der gemeinschaft zurückzugeben, ihm einen sinn in der gemeinschaft zu geben, ermöglicht die kunst. sie darf in all ihren facetten nicht nur anhängsel des menschen sein und als solches vermittelt werden: die kunst der musik, der gestaltung, der sprache, der bewegung und des denkens müssens in gleichem maße gelehrt werden, gleichberechtigt, damit die menschen frei werden von göttern und götzen.

Freitag, 9. Mai 2008

klee - park of idols
liebe, leise folgt mein schritt deinem schritt
ich sage das ticken unserer sanduhren ist leise
auf dem asphalt in der wüste
zwischen deinem atem und dem eines anderen
herrscht unendliche stille

unser einziges zelt dessen asche
wir noch immer nicht hinter uns streuten
unsere unermüdlichen augen
sie schlagen es auf nacht für nacht
kalte flügel des nachtpfauenauges

vorwärts immer vorwärts sie tragen, worte
sandkornleicht wandern sie in bibliotheken
durch sämtliche wüsten
und weiter noch als sie uns tragen
dürstet es uns

inmitten der städte der häfen
im innern unserer schritte ist vieles so leise
und die nächte nähen unsere augen
zu mit wimpern
fleckig von sternen und leicht wie die schiffe

und tausend schritte kalt ist unsere nacht
leichte wesen geformt aus alten archiven der meere
überfluten uns während wir uns auf
spüren zwischen den spürbar ineinander einrastenden
häuten zweier körper als feiner sand

rinnt uns das gesagte davon
längst sind die spuren unserer schritte
schweigsam verweht
ich sage der wind ist der herrscher über die wüste, leise
verzeihen wir einander selbst das dunkel der sprache

die dunkelheit die im innern der bücher wohnt
die andeutungen mit der sie schwerfällig
die stimme anhebt
die müde lyra stelle ich ihr entgegen
ihre stirn biete ich dir

auf unser ziel hin das graue zelt das
die fernen berge vor uns im boden verankert
verschreiben wir einander wort um wort
am fuße des silbernen sandkorns werden wir groß selbst
die sterne kann niemand mehr um uns schließen